Girokonto
Was ein kostenloses Girokonto wirklich kostet
Kaum ein Finanzprodukt wird so oft mit „kostenlos“ beworben wie das Girokonto. Das stimmt auch, nur eben unter Bedingungen. Wer diese Bedingungen kennt und weiß, wo die übrigen Preise stehen, vergleicht Konten auf einer ehrlichen Grundlage statt auf einer Werbeaussage.
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Kostenlos, solange etwas gilt
Die Gebührenfreiheit bei Girokonten ist meist an eine Voraussetzung geknüpft. Üblich sind drei Varianten, und alle drei funktionieren nach demselben Muster: Erfüllst du sie, zahlst du nichts. Erfüllst du sie nicht mehr, greift der reguläre Preis.
- Mindestgeldeingang pro Monat. Die häufigste Bedingung. Zählt dabei jeder Eingang oder nur das Gehalt? Das steht in den Bedingungen und unterscheidet sich.
- Altersgrenze. Konten für Schüler, Azubis oder Studierende sind oft bis zu einem Stichtag kostenlos. Danach wechselt der Vertrag in den Standardtarif, meist automatisch.
- Aktivitätsbedingungen. Eine Mindestzahl an Kartenzahlungen im Monat, manchmal eine Mindestnutzung anderer Produkte derselben Bank.
Der unangenehme Teil: die Bedingung fällt lautlos weg
Ein Jobwechsel mit Lücke, eine Elternzeit, ein Wechsel in die Selbstständigkeit mit unregelmäßigen Eingängen: In all diesen Fällen kann die Voraussetzung für die Gebührenfreiheit entfallen, ohne dass sich am Konto selbst etwas ändert.
Die Gebühr greift dann ab dem nächsten Abrechnungszeitraum. Auf dem Kontoauszug steht sie als einzelner Posten, der leicht übersehen wird, weil er klein ist und monatlich wiederkehrt. Genau das macht ihn über die Jahre relevant.
Praktischer Umgang damit: einmal nachsehen, woran die Freiheit bei deinem Konto hängt, und dir merken, welche Lebensereignisse sie kippen würden.
Wo die echten Preise stehen
Für den Vergleich brauchst du nicht die Werbeseite, sondern zwei Dokumente, die jede Bank bereitstellen muss.
Das Preis- und Leistungsverzeichnis ist die vollständige Liste aller Entgelte. Dort findest du auch die Posten, die in keiner Anzeige auftauchen: Ersatzkarte, Papierauszug, Überweisung in Fremdwährung, Rücklastschrift.
Die Entgeltinformation ist die Kurzfassung davon, in einer gesetzlich vorgegebenen, einheitlichen Form. Weil alle Banken dieselbe Struktur verwenden müssen, lassen sich zwei Konten darüber schnell nebeneinanderlegen. Für den ersten Vergleich ist sie das praktischere Dokument.
Die Posten, die erst später auffallen
Jenseits der Kontoführung entscheiden vier Dinge darüber, was ein Konto im Alltag kostet. Welche davon für dich zählen, hängt davon ab, wie du es nutzt.
- Bargeld. An welchen Automaten ist das Abheben kostenlos, und wie oft? Bei Filialbanken hängt das am Verbund, bei App-Banken gibt es häufiger Limits pro Monat.
- Karten. Girocard, Debitkarte und Kreditkarte sind drei verschiedene Dinge. Welche enthalten ist und was eine zusätzliche oder eine Ersatzkarte kostet, steht im Preisverzeichnis.
- Fremdwährung. Der prozentuale Aufschlag bei Zahlungen außerhalb des Euroraums. Für Vielreisende der Posten, der alles andere überwiegt.
- Dispozins. Der teuerste Einzelposten überhaupt. Wer den Dispo regelmäßig nutzt, sollte ihn vor der Kontoführungsgebühr vergleichen, nicht danach.
Der Wechsel ist einfacher, als die meisten denken
Das häufigste Gegenargument gegen einen Kontowechsel ist der Aufwand: all die Daueraufträge, Lastschriften und Arbeitgeberdaten. Dieser Aufwand ist gesetzlich adressiert.
Banken sind verpflichtet, beim Wechsel zu unterstützen. Auf Wunsch holt die neue Bank die Informationen zu deinen wiederkehrenden Zahlungen bei der alten ein und benachrichtigt die Zahlungspartner. Du musst die Liste also nicht selbst rekonstruieren.
Was du trotzdem selbst im Blick behalten solltest: Das alte Konto erst schließen, wenn über einen vollen Abrechnungszyklus nichts mehr darüber läuft. Manche Zahlungen kommen nur einmal im Jahr.
Häufige Fragen
Was kostet mein Girokonto wirklich?
Das steht im Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank. Es enthält neben der Grundgebühr auch Kartenentgelte, Kosten für Fremdwährungszahlungen und den Dispozins. Die Entgeltinformation fasst dasselbe in einer einheitlichen Kurzform zusammen und eignet sich besser zum Vergleichen.
Was passiert, wenn der Mindestgeldeingang nicht mehr erreicht wird?
Dann greift in der Regel der reguläre Preis ab dem nächsten Abrechnungszeitraum. Das geschieht automatisch und wird nicht gesondert angekündigt. Deshalb lohnt sich der Blick auf den Kontoauszug nach jeder Veränderung beim Einkommen.
Wie aufwendig ist ein Kontowechsel?
Weniger, als viele erwarten. Banken müssen den Wechsel gesetzlich unterstützen und auf Wunsch die Daten zu Daueraufträgen und Lastschriften übertragen sowie Zahlungspartner informieren. Das alte Konto solltest du trotzdem erst nach einem vollen Abrechnungszyklus schließen.
Bekomme ich überhaupt ein Konto, wenn meine Bonität schlecht ist?
Ja. Es gibt einen gesetzlichen Anspruch auf ein Basiskonto, das die grundlegenden Funktionen bietet. Es ist nicht zwingend kostenlos, das Entgelt muss aber angemessen sein. Eine Überziehung ist dabei üblicherweise nicht vorgesehen.
Girokonto prüfen
Du weißt jetzt, woran die Gebührenfreiheit hängt. Auf der Girokonto-Seite stehen die Vergleichspunkte und darunter der Rechner.